Ein einmaliges Konzept

Der Name sagt es: Unser Konzept ist neu, innovativ und einmalig! Kindern und Jugendlichen in pädagogisch aufbereiteten Naturzusammenhängen Freizeit, Lernen und soziales Miteinander ermöglichen – das ist unser seit 2009 ständig weiterentwickelter Ansatz!

Naturpädagogik – was ist das?


Die Naturpädagogik ist eine notwendige pädagogische Antwort auf die fortschreitende Urbanisierung, Technisierung und Digitalisierung unseres Alltagslebens.

Ziel ist es, bei der Bevölkerung ein Bewusstsein für ökologisch sinnvolles Handeln und Entscheiden zu schaffen.
Der Verlust an nahen und frei zugänglichen „Naturerfahrungsräumen“ und die damit verbundene Entfremdung der Menschen von der Natur soll durch die Naturpädagogik einen Ausgleich finden.
Das Thema negative Umweltveränderung liegt laut einer Studie der Universität Marburg von 2006 auf Platz 2 der wichtigsten Probleme der Menschen in Deutschland, direkt nach der Arbeitslosigkeit. Damit trifft Umweltbildung auf starkes Interesse in der Bevölkerung.


Naturpädagogik will:

  • Kindern und Erwachsenen einen unmittelbaren Kontakt mit der Natur ermöglichen,
  • durch sinnliche, spielerische, forschende und kreative Naturerfahrungsmöglichkeiten das Wissen über Zusammenhänge unserer natürlichen Lebensgrundlagen vermitteln und dadurch
  • die Bedeutung von Biodiversität und den dafür erforderlichen Schutz von Lebensprozessen und Lebensräumen zum Erhalt der regenerativen Potenziale unserer Lebensgrundlagen erlebbar machen,
  • die Beziehung zwischen Mensch und Natur ermöglichen und fördern, um eine tragfähige emotionale Grundlage für einen nachhaltigen Umgang mit unserer Mitwelt und den Lebensgrundlagen zu schaffen,
  • die Fähigkeit fördern, verantwortlich mit der Natur umzugehen und sie als Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen zu schützen
  • durch intensives Naturerleben den Menschen aufzeigen, dass sie Teil eines größeren Ganzen sind, um eine ethische Grundhaltung der Wertschätzung, der Achtsamkeit und des Respekts gegenüber allem Lebendigen zu unterstützen,
  • Natur in ihrer Vielfalt, Schönheit und Lebendigkeit als notwendige Basis für die eigene Gesundheit erfahrbar und begreifbar werden lassen sowie
  • eine intensive Selbst- und Naturwahrnehmung durch das Erleben mit allen Sinnen fördern.


Unsere Ziele


Unser Projekt hat vorrangig zum Ziel, Kindern und Jugendlichen einen niedrigschwelligen Rahmen zu bieten, sich mit sich selbst und dem Thema Natur auseinanderzusetzen und ihre Kompetenzen in den Themenbereichen Natur, Umwelt, Ernährung, Artenvielfalt und Bewegung spielerisch zu erweitern, z. B. in Workshops oder beim Zubereiten einer Mahlzeit.
Niedrigschwelligkeit bedeutet für uns, dass die Kinder und Jugendlichen nur einen geringen Aufwand zur Inanspruchnahme der Angebote betreiben müssen und es nur eines geringen Vorwissens bedarf.


Die Ziele des Konzeptes auf dem Jugendnaturzeltplatz sind:

  • spielerisches Erleben und Lernen von und mit der Natur
  • Sinne zu schärfen
  • Bewegung zu fördern
  • Möglichkeiten für ganzheitliches, nachhaltiges Gestalten und Unterstützen der Natur zu bieten
  • Wissen über Pflanzen als Nahrung und Heilmittel zu vermitteln
  • gesunde Ernährung zu fördern
  • Die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verpflichtungen herauszufordern
  • Die Entwicklung der Persönlichkeit und Bildung von positiver Gruppendynamik


Kinder und Jugendliche können die Natur nicht nur direkt und pädagogisch angeleitet als äußere Lebensumwelt des Menschen erleben, sondern auch selbstständig erkunden und spielerisch erfahren. Es werden sowohl die Sinne für die natürlichen Elemente geschärft als auch der eigene Horizont erweitert. Die Kinder und Jugendlichen können lernen, sich als Teil der Umwelt zu begreifen und so eine positive Einstellung zur Natur entwickeln.

Auch das Zelten auf dem Jugendnaturzeltplatz vermittelt diese originären Ziele der Naturpädagogik: So wird Kindern und Jugendlichen über eine längere Dauer ein unmittelbarer Kontakt mit der Natur ermöglicht – von einer Übernachtung bis hin zu mehrtägigen bzw. mehrwöchigen Ferienfreizeiten unter freiem Himmel.
Kinder und Jugendliche lernen, sich in der Natur einen Platz zu suchen, der ihrem Schlafkomfort gerecht wird: Wo geht die Sonne auf? An welchem Platz steht das Zelt am nächsten Morgen nicht direkt in der Hitze? An welcher Stelle ist der Untergrund geeignet? Wo ist es eben genug, um gemütlich zu liegen? Alles Fragen, mit denen man sich in „freier Natur“  auseinandersetzen muss.

Der Jugendnaturzeltplatz ist ein Ort der Erholung und der Freizeitgestaltung. Gleichzeitig ist er ein Ort für die Umsetzung eines speziellen pädagogischen Ansatzes. Gruppen haben unterschiedliche Interessen, denen das Konzept des Jugendnaturzeltplatzes jeweils gerecht werden will.


Die praktische Umsetzung

Spielerisches Erleben und Lernen von und mit der Natur

Jeder Gast kann den Zeltplatz kostenlos und mit geringem Aufwand mit einer Rallye erkunden. Nach dieser Idee werden die Gruppen spielerisch in die Natur-Thematik vor Ort eingeführt.
Die Rallye ist thematisch in fünf Kategorien eingeteilt: Kräuter, Obst, Bäume, Naturschutz und allgemeines Wissen. Zu jeder dieser Kategorien sind maximal zehn Aufgaben in Kleingruppen zu lösen. Diese Aufgaben fordern unterschiedliche Kompetenzen: Die Teilnehmer werden kognitiv, handwerklich, motorisch und sozial angesprochen.
Die Rallye steht stellvertretend für die „Spielen und Lernen“-Philosophie des Zeltplatzes. Kinder lernen am besten in einer Umgebung, die alle Sinne anspricht und gleichzeitig eine angenehme Atmosphäre schafft. Lernen muss Spaß machen! Diesem Motto hat sich der Jugendnaturzeltplatz verpflichtet.

Schärfung der Sinne

Als Sinn wird die Wahrnehmung der Umwelt mit Sinnesorganen bezeichnet. Klassischerweise werden fünf Sinne unterschieden: das Hören, Tasten, Schmecken, Sehen und Riechen.
Das naturpädagogische Konzept spricht alle fünf Sinne an – denn nur so wird Gelerntes effektiv verinnerlicht. Wahrnehmung mit allen Sinnen ist die grundlegende Voraussetzung für Bewegung, Denken, Handeln, Verhalten und Sprache. Es wird vom ganzheitlichen Lernen gesprochen, das heißt Lernen mit allen Sinnen, mit dem Verstand, dem Gefühl und mit dem Körper.
Der Jugendnaturzeltplatz bietet als naturbelassener Ort Reize für alle Sinne:
Tiergeräuschen lauschen, Wetter fühlen, sehen und riechen, Farben aufnehmen, Pflanzen schmecken und riechen, Naturmaterialien spüren und vieles mehr.

Doch nicht nur durch das vorhandene, von der Natur gegebene Angebot, sondern auch durch ergänzende, installierte Stationen können die Sinne geschärft und geschult werden: unsere Sinnesstraße mit Fühlkästen lädt zum Beispiel dazu ein, Naturmaterialien zu ertasten und zu „be“greifen.

Förderung von Bewegung

Der kindliche Bewegungstrieb ist von Natur aus vorhanden. Toben, Klettern, Hüpfen, Springen, Balancieren oder Rennen stärkt nicht nur die motorischen Fähigkeiten, sondern auch die geistigen. Bevor ein Kind etwas begreifen kann, muss es seine Umwelt greifen können, bevor es etwas erfassen kann, muss es die Dinge fassen können. In dem Moment, in dem das Kind selbst stehen kann, setzt eine zunehmende Selbständigkeit ein. Ohne ausreichende Bewegung sind keine großen Entwicklungsschritte zu machen. Erst wenn es alle Sinne erprobt hat, kann das Kind auch „Sinn“ erkennen. Ohne Bewegung und Sinneswahrnehmungen fehlt die Voraussetzung für die Entwicklung von Selbstbewusstsein. Für die Entwicklung von Kindern ist Bewegung also genauso wichtig wie Essen und Trinken.
Das weitläufige, verwinkelte Gelände des Zeltplatzes bietet ausreichend Raum zum Toben. Die Spielwiese eignet sich hervorragend für Gruppenspiele mit hoher körperlicher Aktivität. Auch die ausleihbare Spielkiste fördert die Bewegung: Eine Slackline zum Beispiel schult die  Balance, Frisbee und Ballsportarten Treffsicherheit und schnelle Reaktion.
Außerdem bietet der Zeltplatz Bäume, die sich hervorragend zum Klettern eignen.
Auch unsere Rallye bietet viele bewegungsfördernde Ansätze: Das Spiel erstreckt sich über das gesamte Zeltplatz-Gelände und ist gezielt auch auf die Schnelligkeit der Teilnehmer aus, sodass Rennen ein Muss wird.

Ganzheitliche, nachhaltige Gestaltung und Unterstützung der Natur

Der Jugendnaturzeltplatz bietet nicht nur Kindern und Jugendlichen Förder- und Entwicklungsmöglichkeiten, sondern ist auch darauf ausgelegt, die Natur in ihrer ursprünglichen Form zu erhalten. Um dies zu unterstützen, beherbergt der Jugendnaturzeltplatz ein Bienenvolk. Ein Bienenvolk ist nicht nur unter dem Gesichtspunkt „Leben zwischen Mensch und Tier“ notwendig, sondern auch für die Bestäubung der Pflanzen im Umkreis. Da Bienen in erheblichem Maße zum Erhalt von Wild- und Kulturpflanzen und zu deren Erträgen beitragen, ist ihre ökologische Bedeutung unumstritten. Bienen zählen weltweit zu den wichtigsten Bestäubern.
Sogenannte „Benjeshecken“ [natürlich angelegte Hecken aus Totholz] erfüllen auf dem Platz  mehrere Zwecke: Sie bieten nicht nur Sichtschutz und trennen das Gelände, sodass mehrere Gruppen gleichzeitig den Platz belegen können. Sie bieten auch einen wichtigen Lebensraum sowie Schutz und Nahrung für unzählige Kleintiere!

Pflanzen als gesunde Nahrung und Heilmittel

Die Botanik bietet ein breites Spektrum an Pflanzen – und ein Teil ist auf dem Jugendnaturzeltplatz zu finden!
Im Kräutergarten werden bekannte wie auch weitestgehend unbekannte Kräuter gepflanzt, z. B. Rosmarin und Sauerampfer oder Borretsch und Currykraut, Ananas-Salbei sowie diverse Heilpflanzen. Das Ziel ist, dass Gruppen die Kräuter in ihr tägliches Leben integrieren, z. B. für ihre Mahlzeiten nutzen oder sich einen Tee zubereiten, zur Heilung kleinerer „Wehwehchen“, zur Herstellung von Hautcremes – kurz gesagt: Das freie Angebot kann und soll angenommen werden.
Kinder und Jugendliche können auf dem Gelände verschiedene Angebote wie eine Kräuterkundestunde oder gemeinsames Ernten und Kochen wahrnehmen. Viele saisonale Rezeptideen stehen den Besuchern zur Verfügung – natürlich können die Zutaten dafür auf dem Zeltplatz geerntet werden. So möchten wir den Zugang zu natürlichen Lebensmitteln erleichtern und fördern: Kindern ist heute oft nicht mehr bewusst, dass eine Karotte nicht „aus dem Supermarkt“ kommt, sondern eine Gemüsepflanze ist, die – dreckig und voller Erde – bei der Ernte aus dem Boden ausgegraben wird. Die Rübe wächst unter der Erde, überirdisch wächst der beblätterte blütentragende Spross. Die Wurzel wird von uns verzehrt. Dies ist ein Beispiel für Informationen, die der SJR auf dem Zeltplatz an Kinder und Jugendliche vermittelt.

Ein wichtiges Thema in unserem naturpädagogischen Konzept ist der Erhalt der Artenvielfalt.
Hierzu leisten wir einen Beitrag, indem wir vom Aussterben bedrohte Arten wie z. B. unsere lokalen Obstbäume erhalten und samenfeste, alte Gemüsesorten und Kräuter verwenden.

Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verpflichtungen

Ein weiterer wichtiger Aspekt unseres Konzeptes ist die Fokussierung auf bewussten Energieverbrauch. Strom wird den Gruppen je nach Verbrauch gesondert abgerechnet. So achten Besucher vermehrt auf ihren Stromverbrauch und merken am Geldbeutel, was es bedeutet, achtlos oder sorgsam Strom zu verbrauchen. Selbstverständlich bezieht der Zeltplatz echten, sauberen Ökostrom, der zu 100 % aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird.
Der Platz schafft ein Bewusstsein für das Thema Energiewende und präsentiert Wiesbaden als eine ökologisch bewusste Stadt. Die Gäste können Wiesbaden als „grünen Ort der Erholung“ erleben und entdecken, warum Wiesbaden unter anderem als „Gesundheitsstandort“ für sich wirbt.

Ein Naturzeltplatz für alle: Der Stadtjugendring schafft bezahlbaren Raum für ehrenamtliche Kinder- und Jugendarbeit, der in Wiesbaden besonders für Zeltlager, Ferienspiele und internationale Begegnungen gebraucht wird. Die Übernachtungspreise sehr niedrig zu halten, ist für uns eine Verpflichtung, auch wenn der Preis dafür ist, dass wir jedes Jahr Drittmittel akquirieren müssen. Jedes Kind muss sich den Jugendnaturzeltplatz leisten können und dafür stehen wir!

Persönlichkeitsbildung und positive Gruppendynamik

Das Naturerleben in der Gruppe fördert Mut, Solidarität, Respekt und Vertrauen. In einem Raum von Freiheit und Abenteuer können Kinder und Jugendliche ihre eigenen Grenzen entdecken. Außerdem werden Sinne, Grob- und Feinmotorik, Konzentrationsfähigkeit, Selbstvertrauen und soziale Kompetenzen wie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit in Gruppen geschult.
Ein Lagerdorf mit einer Großgruppe aufzubauen, kann eine Herausforderung sein. Es bedarf enger Absprachen untereinander und einer großen Portion Teamwork!
Die Selbstverwaltung von Küchenzelten, Lebensmitteln, Putzdiensten und weiteren Aufgaben wird gemeinsam ausgearbeitet. Anforderungen werden in einer Gruppe gemeinsam gemeistert. Dazu kommen äußere Umstände, die den Zusammenhalt des Teams fordern, wie beispielsweise schlechtes Wetter. Es geht darum, schwierige Situationen gemeinsam zu meistern!
Auch das Zusammenspiel zwischen mehreren fremden Gruppen wird geschult: Uns ist es wichtig, dass die Gruppen sich selbst ihre „Lieblingsecke“ aussuchen können und sich gemeinsam untereinander einig werden, welche Gruppe ihr Lager an welchem Ort aufbaut. Die gemeinsame Belegung des Platzes fördert die Dynamik der Gruppen untereinander, denn es müssen Absprachen über die Nutzung getroffen werden. Dies können zum Beispiel Themen wie die Nachtruhe sein, außerdem die Nutzung und das Reinigen der sanitären Anlagen oder der Kühlschränke, die den Gruppen zur Verfügung stehen. Auch das Berücksichtigen der Bedürfnisse der nächsten Gruppen wird in das Konzept integriert: Die „Naschecken“ sind auf dem gesamten Gelände des Jugendnaturzeltplatzes verteilt. Je nach Jahreszeit können dort unterschiedliche Früchte und Gemüse probiert werden. Dies kann natürlich nur funktionieren, wenn die Gruppen untereinander Rücksicht nehmen; so sollte es beispielsweise nicht passieren, dass die eine Gruppe alle Himbeeren „vernascht“ und die nächste Gruppe nicht mehr in diesen Genuss kommt. Genau das ist soziales Lernen durch Naturpädagogik.

Außerdem schreibt der SJR das Thema Partizipation groß. Es ist uns wichtig, dass die Besuchergruppen den Platz mitgestalten und weiterentwickeln, ihre Ideen, Bedürfnisse und Fähigkeiten einbringen können. Kinder und Jugendliche wissen am besten, was ihnen auf dem Platz gefallen würde – wir möchten Freiraum bieten, Fantasie stärken, gestalten lassen und beteiligen!
Durch einen Evaluationsbogen identifizieren wir jährlich, welche Wünsche die Besuchergruppen für den Zeltplatz haben. Diese setzen wir so weit wie möglich um. Darüber hinaus können Gruppen selbstverständlich auch selbst aktiv Ideen umsetzen!
Jedes Jahr werden durch Projekttage und -Wochen bestehende Angebote erweitert und neue Angebote geschaffen, sodass auch „Stammgäste“ immer Neues entdecken können. So wie die Natur selbst ist auch das Konzept auf dem Zeltplatz: dynamisch und in einer kontinuierlichen Entwicklung.


Das Konzept im Gesamtpaket macht den Jugendnaturzeltplatz zu etwas ganz Besonderem,  Einzigartigem in Deutschland!

2009 gewann der Jugendzeltplatz den Jugendarbeitspreis des Hessischen Jugendrings, „best ’09“, in der Kategorie „Kritischer Konsum und nachhaltiges Handeln“.

2011 zählte der Jugendnaturzeltplatz zu den Gewinnern des Wettbewerbs „Ideen. Initiative. Zukunft“ der Drogeriemarktkette dm.