Kindeswohl

Am 1. Januar 2012 trat das „Gesetz zur Stärkung eines aktiven Schutzes von Kindern und Jugendlichen“ – kurz: das neue Bundeskinderschutzgesetz – in Kraft. Ziel des Gesetzes ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gefährdungen und die Förderung ihres körperlichen, geistigen und seelischen Wohles. Es umfasst umfangreiche Änderungen an den Bundesgesetzen des Sozialgesetzbuches [SGB VIII und IX] und das neugeschaffene Gesetz zur „Kooperation und Information im Kindesschutz“ [KKG].
Besonders die Debatte um das Sozialgesetzbuch VIII beschäftigt Jugendringe in ganz Deutschland. So wird besonders der § 72a, Abs. 4 des SGB VIII von Jugendorganisationen kritisch diskutiert.

Wir sind der Meinung, dass die Debatte um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor allem eine inhaltliche sein muss. Darüber hinaus sind wir davon überzeugt, dass ausschließlich Qualifizierung und Sensibilisierung der Jugendleiter*innen einen entscheidenden Beitrag zum Kindeswohl leisten können. Jugendorganisationen setzen sich mit ihrem Selbstverständnis der Selbstorganisation, Autonomie und Partizipation für den bestmöglichen Schutz von Kindern und Jugendlichen ein. Dies geschieht durch Präventions- und Selbststärkungsarbeit mit den Kindern und Jugendlichen, vor allem in den Gruppenstunden und auf Fahrten der Jugendorganisationen.

Wir sehen diese Kernangebote der Jugendorganisationen in Wiesbaden gefährdet, wenn sie durch einen hohen Verwaltungsaufwand erschwert werden. Diese Position war Grundlage unserer Gespräche mit der Fachstelle Kindesschutz des Amtes für soziale Arbeit in Person von Melanie Junk. Dabei konnten wir in einem Prozess, der von März 2013 bis Juli 2014 andauerte, nach und nach mit dem kommunalen öffentlichen Träger der Jugendhilfe eine gemeinsame Linie zu einer Mustervereinbarung um die Richtlinien zur Führungszeugnisvorlage finden. Dieser Konsens, der sowohl dem gesetzlichen Schutzauftrag des Jugendamtes als auch den Interessen der SJR-Mitglieder gerecht wird, steht nun vor der Unterzeichnung durch die Jugendorganisationen.

Zur Erklärung: Das Jugendamt hat durch die Gesetzesänderung den Auftrag, mit jeder Organisation, die Kinder- und Jugendarbeit anbietet, eine Vereinbarung zum Kinderschutz zu schließen. Wir empfehlen die gemeinsam erarbeitete Vereinbarung den Mitgliedern des SJR. Jeder Verein/Verband sollte jemanden benennen, der/die die Vereinbarung schließt und auch zukünftig für deren Umsetzung verantwortlich sein sollte.

Die Regelung sieht unter anderem vor, dass Aufsichtspflichtige ein Führungszeugnis vorgelegen sollen. Das erlaubt einen gewissen Ermessensspielraum, welche Jugendleiter*innen Führungszeugnisse vorlegen müssen. Wenn es Unklarheiten in der Klärung dieser Frage gibt, wird empfohlen, sich dazu Gedanken zu machen und bereits vor der Unterschrift der Vereinbarung mit Melanie Junk darüber zu sprechen.

Dabei ist es uns sehr wichtig, zu betonen, dass das Amt für soziale Arbeit die Vielfalt der unterschiedlichen Jugendorganisationen und die damit einhergehenden, unterschiedlichen Ausgangslagen für die Umsetzung der Mustervereinbarung anerkennt und bei persönlichen Terminen mit den Jugendorganisationen bereit ist, zu besprechen, ob Sonderregelungen sinnvoll und notwendig sind.
Das eigentliche Problem dieser [neuen] Anforderung an die Jugendorganisationen ist unserer Meinung nach dennoch nicht gelöst, denn es fehlen für uns weiterhin vernünftige Rahmenbedingungen für Qualifizierung, Sensibilisierung und Austausch, die durch eine ausreichend gute Begleitung und Beratung der Jugendverbände gesichert wären.

Das Thema ist mit der Vereinbarung nicht abgeschlossen. Es gibt noch weitere Faktoren eines umfassenden und wirkungsvollen Kinderschutzes. Dieser umfasst die Umsetzung der Vereinbarungen sowie die anschließend  Präventions- und Schutzkonzepte, notwendige Schulungen, Sensibilisierungen und Ausbildungen sowie einen konkreten Handlungsplan im Missbrauchs- bzw. Verdachtsfall.
Natürlich sind diese Themen in unseren Juleica Ausbildungen zum IST-Stand abgebildet.


PDF-Download: Mustervereinbarung der Landeshauptstadt Wiesbaden [Stand 2014]
PDF-Download: Anlagen zur Mustervereinbarung der Landeshauptstadt Wiesbaden [Stand 2014]


Im Falle eines konkreten Falles wendet euch an:

Melanie Junk
Fachstelle Kinderschutz

Landeshauptstadt Wiesbaden
-Der Magistrat-

Amt für Soziale Arbeit
510302 / Fachstelle Kinderschutz
Konradinerallee 11
65189 Wiesbaden

Tel.: 0611 31-2614
Fax: 0611 31-3998
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.wiesbaden.de

Für sonstige Fragen zum Thema steht euch die Geschäftsstelle zur Verfügung