Jugendverbandsarbeit und Ganztagsschule

Das Thema Kooperation zwischen Jugendverbandsarbeit und Ganztagsschule ist nicht neu: Seit über einem Jahrzehnt gibt es Annäherungsversuche beider Seiten in Form von kleineren und größeren Modellprojekten, die zum Ziel haben, herauszufinden, ob die Konzepte der außerschulischen Kinder- und Jugendbildungsarbeit von Jugendorganisationen in die Ganztagsschule übertragbar sind.

Es ist kein Geheimnis, dass die Begegnung von Jugendorganisationen und Schulen dabei oft nicht auf Augenhöhe stattfindet, da man auf beiden Seiten der Meinung ist, der jeweils andere habe sich anzupassen. Es gibt aber auch viele positive Beispiele, die zeigen, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit gelingen kann. Der Stadtjugendring Wiesbaden e. V. [SJR] setzt sich seit einigen Jahren intensiver mit den politischen Positionen zum Thema, den Bedingungen der Zusammenarbeit und mit Modellprojekten auseinander.

Im Rahmen dieser Auseinandersetzung ist eine Publikation entstanden, die wir als Einladung verstanden wissen wollen, sich sowohl von Seiten der Schule, der Lehrer*innenschaft, der Schüler*innenschaft und der Elternvertretung, als auch von Seiten der Jugendorganisationen mit der Frage des Wertes gelingender Kooperation auseinanderzusetzen. Als Interessenvertretung der Jugendorganisationen möchten wir damit natürlich auch unsere Position schärfen und verdeutlichen, dass wir gerade wegen der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema der Meinung sind, dass Kinder und Jugendliche Raum benötigen, neben der Schule ihre Freizeit selbstbestimmt und selbstorganisiert gestalten zu können. Demzufolge möchten wir auch keine Jugendorganisation in die Schule drängen. Gleichwohl sind wir der Meinung, dass sowohl die Werte der außerschulischen Kinder- und Jugendbildung für die Gestaltung von Ganztagsschule, als auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Konzepten von Jugendorganisationen und die Frage nach Mitgliedergewinnung und die Nutzung der Ressourcen von Ganztagsschule, für beide Seiten ein großer Gewinn sein können.

Wir fordern dazu auf, etwaige Ressentiments zu hinterfragen und sich offen und vorurteilsfrei in einen Austausch zu begeben, dessen Grundlage die gegenseitige Anerkennung der Arbeit des anderen sein sollte, um herauszufinden, welche Synergieeffekte geschaffen werden können – zum Wohle der Kinder und Jugendlichen in unserer Stadt. Sollten Kooperationen seitens der Ganztagsschulen in Wiesbaden gewollt sein, müssen dafür strukturell notwendige Voraussetzungen erfüllt werden, für alle Jugendorganisationen Wiesbadens. Um die Angebote im Ganztagsschulbetrieb qualitativ hochwertig zu gestalten, halten wir es für notwendig, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen.
Jugendorganisationen und Ganztagsschulen sollen als Akteure mit dem gemeinsamen Ziel der Bildung von Kindern und Jugendlichen voneinander wissen und die jeweiligen bildungstheoretischen Ansätze verstehen und anerkennen. Rose-Lore Scholz, die Schuldezernentin Wiesbadens, formuliert in ihrem Grußwort, dass „die Jugendverbände mit ihrem großen Potential an non-formalen Bildungsangeboten und ihrer langjährigen Erfahrung in der freizeitpädagogischen Arbeit durch Kooperation mit Schule das Lernen abwechslungsreicher und damit motivierender gestalten können sowie Schülerinnen und Schülern lebensbedeutsame Fähigkeiten vermitteln.“
Die Rolle von Jugendorganisationen darf angesichts der gesellschaftlichen Bedeutung des Ehrenamtes und im Hinblick auf die Wichtigkeit des „Bürgerschaftlichen Engagements“ nicht geringgeschätzt werden. In welcher Gesellschaft würde man leben, wenn z. B. die Arbeit der helfenden Jugendverbände nicht für konstanten Nachwuchs in den Rettungsdiensten sorgen würde?
Wenn Schule ernsthaft dem Leitbild eines ganzheitlichen Bildungsauftrags folgen will, dann kann sie nicht auf die Erfahrungen, Kompetenzen und Leistungen der vielfältigen Jugendorganisationen verzichten.

Wir sind jederzeit sehr gerne bereit, unsere Positionen zum Thema sowie die Grundlagen und Perspektiven einer Zusammenarbeit sowohl den Ganztagsschulen als auch der Kommunalpolitik vorzustellen und in eine konkrete gemeinsame Arbeit einzusteigen.

Weitere Informationen findet ihr in unserer Publikation "Jugendverbandsarbeit und Ganztagsschule: Grundlagen - Positionen - Perspektiven"